Dr. med. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR) gratuliere ich der Arbeitsgemeinschaft "Teilhabe, Rehabilitation, Nachsorge und Integration nach Schädelhirnverletzung" Bonn zu der Beharrlichkeit, mit der Sie auf die Themen „Teilhabe und Teilhabesicherung“ für Menschen mit Schädelhirnverletzung und chronischer neurologischer Erkrankung aufmerksam macht.
Der 5. Nachsorgekongress unter dem Leitthema Teilhabesicherung fokussiert dabei zu Recht auf die nachhaltige Wirksamkeit einer umfassenden biopsychosozialen Versorgung, auf die sozioökonomischen Aspekte von Maßnahmen der Rehabilitation und Nachsorge sowie auf die Machbarkeit im Versorgungssystem und auf dessen Weiterentwicklung.
Die AG Teilhabe ist mit ihrem Nachsorgekongress in diesem Jahr erstmals von Bonn nach Berlin gezogen, um das brennende Thema den gesellschafts-, gesundheits- und behinderungspolitisch Verantwortlichen in Legislative und Exekutive und den Trägern der Sozialverwaltungen vor die Haustüre zu tragen.
Die DVfR unterstützt als interdisziplinäres Forum für Rehabilitation den Dialog aller gesellschaftlichen Kräfte zur Weiterentwicklung der Rehabilitation in Deutschland. Die Umsetzung einer umfassenden Rehabilitation zur gesellschaftlichen Teilhabe ist ein grundlegender Teil der gesundheitlichen und sozialen Versorgung in unserem Land. Auch die Umsetzung der Rechte der UN-Behindertenrechtskonvention erfordert viel Anpassungsleistung, auch wenn die Politik dies (noch) nicht deutlich genug erkennt.
Die DVfR ist den Veranstaltern und Teilnehmern des 5. Nachsorgekongresses aufs Engste verbunden und dankt im Namen der vielen, oft auch jungen Betroffenen, für die Anstrengungen, mit Problemanalysen und konstruktiven Ideen, mit Darstellung vielfältiger regionaler Umsetzungskonzepte und mit der praktischen Vermittlung internationaler Modelle für die individuelle Rehabilitation und die selbstverständliche Inklusion von Schädelhirnverletzten zu werben.
Auch nach erfolgreicher Rehabilitation sind die soziale Integration in gemeinschaftliches und berufliches Leben und eine wirksame Nachsorge nach Schädelhirnverletzung trotz vielfacher Bemühungen noch immer nicht durchgehend gesichert:
- Wir unterstützen gerne Ihre Forderung nach einem am individuellen Teilhabebedarf orientierten Versorgungsnetzwerk über die Grenzen der verschiedenen Versorgungssektoren hinweg und unter Überwindung der Schnittstellenprobleme der verschiedenen sozialen Leistungsträger.
- Auch wir erkennen den drängenden Bedarf für ein Angebot unabhängiger und neuropsychosozial kompetenter Beratung und Begleitung der Betroffenen, ihrer Angehörigen und ihrer kleinen sozialen Netzwerke auch in Form eines trägerübergreifenden Fall- und Versorgungsmanagements speziell bei den schwer Betroffenen.
- Ihre Vorschläge für individuelle multidisziplinäre Teilhabekonferenzen unter Beteiligung der Leistungsträger und für eine Teilhabeplanung und zur Festlegung der individuell notwendigen, nachgehenden Rehabilitations- und Nachsorgemaßnahmen sind plausibel - diese haben sich bereits in einigen Versorgungsbereichen bewährt. Die Gruppe der diesbezüglich leistungsberechtigten Menschen mit erworbener Schädigung des Nervensystems muss definiert und dann anbietend unterstützt werden.
- Die DVfR setzt sich mit Ihnen gerne dafür ein, dass es zu einer flexiblen, ergebniszentrierten und teilhabeorientierten Weiterentwicklung der bestehenden Rahmenempfehlungen und zur Verabschiedung von Rahmenkonzepten für die bislang noch nicht ausgestaltete Neuroreha-Phase E kommt. Sie unterstützt gern entsprechende Initiativen.
- Unsere Legislative muss die Abstimmung einschlägiger Leistungsgesetze zu einem rechtsfähigen Teilhabe- und Teilhabesicherungsrecht und eine entsprechende Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe leisten
Schon in den vorherigen Nachsorgetagungen hatten Sie auf die Erfolge und Möglichkeiten, aber auch auf die vielfältigen Unzulänglichkeiten in der Versorgung hingewiesen. Im letztjährigen Nachsorgekongress hatten Sie die behindertenpolitischen Sprecher aller im Bundestag vVertretenen Parteien mit Ihren Anliegen konfrontiert. Noch sind aber viele Ihrer Anregungen nicht umgesetzt. Es bleibt viel zu tun.
Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiterhin Erfolg, Kraft und Ausdauer und der Tagung eine nachhaltige Wirkung in den politischen Raum und in die Gesellschaft hinein.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Dr. med. Matthias Schmidt-Ohlemann
Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation