Dr. Johannes Vöcking
Geschäftsführender Vorstand
der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Nachsorgekongresses,
liebe Freunde der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung,
ich freue mich außerordentlich, dass der diesjährige Nachsorgekongress in Berlin und damit in unmittelbarer Nähe zu Politik und Kostenträgern stattfindet. Denn das Thema „Teilhabesicherung - Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit erhöhen“ ist brandaktuell und greift passgenau eine aktuell in der Gesellschaft leidenschaftlich diskutierte Problematik auf. Umso wichtiger erscheint, den Fokus der Politiker noch stärker darauf zu richten.
Nahezu täglich werden wir in der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung damit konfrontiert, dass sich Menschen mit Schädigungen des Zentralen Nervensystems immer noch am Rande der Gesellschaft befinden. Teilhabe ist für sie oft nur ein abstrakter Begriff - gelebte Teilhabe, wie es die UN-Behindertenrechtskonvention fordert, ist bisher in Deutschland noch wenig ausgeprägt. Deshalb sind wir besonders denen zu Dank verpflichtet, die uns mit ihren Spenden in die Lage versetzen, um hier gegenzusteuern, um durch praktische Unterstützung zur Sicherung der Teilhabe beizutragen. Sei es durch den Beratungs- und Informationsdienst und eine ausgezeichnete sozialrechtliche Betreuung, die Ausrichtung von Seminaren für Betroffene und ihre Angehörigen oder durch die Vermittlung von geeigneten
Therapie- bzw. Rehabilitationsmaßnahmen.
Aus meiner Erfahrung als langjähriger Vorstandsvorsitzender der BARMER weiß ich um die scheinbaren Widersprüchlichkeiten, die in diesem Jahr thematisiert werden. Wachsende Kosten im Gesundheitswesen stehen begrenzte Ressourcen gegenüber, die unter Beachtung von Effektivität und Effizienz sinnvoll einzusetzen sind. Dies ist eine Situation, die zu einem neuen Nachdenken führen muss. Wie auch die anderen Kostenträger unterliegen die Krankenkassen strengen Restriktionen, haben aber gleichzeitig den gesetzlichen Auftrag, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. In diesem Zusammenhang sollte deshalb dem Aspekt der Nachhaltigkeit eine stetig wachsende Bedeutung zukommen: Wie gehen wir nachhaltig in der Gesellschaft mit der Ressource Gesundheit um, aber auch nachhaltig mit der Ressource Geld für Gesundheit?
Nur wenn nachgewiesen werden kann, dass die eingesetzten Mittel nachhaltig Wirkung zeigen und damit einer Kostennutzenanalyse Stand halten, können sie in den Leistungskatalog der Kostenträger aufgenommen werden.
Uns geht es besonders um Menschen nach einer Schädelhirnverletzung. Sie werden innerhalb von Sekunden aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Sie benötigen alle verfügbaren Ressourcen, um zurück ins Leben zu finden. Im Mittelpunkt der Versorgung steht hier neben dem im Einzelfall betroffenen Menschen auch dessen Familie, denn in unzähligen Fällen führt eine Schädelhirn-verletzung zu einer dramatischen Veränderung der Lebensumstände für die gesamte Familie. Die Stiftung hat sich daher für die kommenden Jahre auf die Fahnen geschrieben, besonders die Versorgungsforschung zu unterstützen, um so in den Gesprächen mit den politischen Entscheidern, notwendige Argumente vorlegen zu können. Hintergrund ist, dass die derzeitige Versorgungssituation auf Datenmaterial als Basis rekurriert, das vor längerer Zeit ermittelt wurde. Uns ist es deshalb ein besonderes Anliegen, auf eine Aktualisierung hinzuwirken. Deshalb sind wir bemüht, auch das politische Augenmerk erneut darauf zu konzentrieren.
Als Sprachrohr für die zahlreichen Menschen, die mit den Folgen einer Schädelhirn-verletzung leben müssen, sehen wir es als eine unserer Hauptaufgaben, gemeinsam mit Partnern, wie der Arbeitsgemeinschaft „Teilhabe, Rehabilitation, Nachsorge und Integration nach Schädelhirnverletzung“, Konzepte für die Versorgung zu erarbeiten, die ergänzend zu den bisherigen Systemen zum Wohle der Betroffenen umgesetzt werden können. Hier sei als Meilenstein die Zuerkennung eines eigenen Behindertenstatus für Menschen mit erworbenen Schädelhirnverletzungen genannt.
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Nachsorgekongresses, ich möchte an dieser Stelle auf keinen Fall versäumen, den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft „Teilhabe, Rehabilitation und Integration nach Schädelhirnverletzung“ herzlich zu danken. Eine Veranstaltung wie den Nachsorgekongress zu organisieren, verlangt von den vielen ehrenamtlich Tätigen einen hohen persönlichen Einsatz. Ohne den festen Willen, für Menschen mit Schädigungen des Zentralen Nervensystems eine Verbesserung in allen Lebensbereichen zu erlangen, wäre es nicht möglich, Jahr für Jahr durch die Einbindung von hervorragenden Rednern eine steigende Qualität zu erzielen. Für diese ausgezeichnete Unterstützung bin ich sehr dankbar.
Ich wünsche Ihnen allen konstruktive Gespräche und lösungsorientierte Diskussionen. Lassen Sie uns gemeinsam aus den Ergebnissen des Nachsorgekongresses eine Resolution formulieren. Auf Grundlage dieser Resolution werden wir das Gespräch mit den Verantwortlichen der Gesundheitspolitik suchen, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit Schäden des Zentralen Nervensystems in Zukunft zu sichern. Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt, nach den Finanz- und Spargesetzen der letzten Zeit nunmehr die Versorgungssituation im Deutschland zu thematisieren. Das ist gut so. Zu wünschen wäre allerdings, dass man sich nicht in Fragen der Organisation erschöpft, sondern auch den Kern der Versorgung, die eigentlichen Inhalte angeht. Dazu muss auch die Versorgung besonders gehandicapter Menschen gehören. Dem Kongress wünsche ich insofern, einen Stein des Anstoßes zu setzen.
Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für eine gute Gesundheit.
Ihr Dr. Johannes Vöcking
Geschäftsführender Vorstand der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung