Grußwort 2015

Verena Bentele
Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen











Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
 
nach einer Schädelhirnverletzung ist vieles nicht mehr so wie es war. Neben den Schmerzen und den Belastungen für sich selber und die Angehörigen auch noch die Erkenntnis, dass - je nach Schwere der Verletzung - viele Dinge vielleicht für den Rest des Lebens nicht mehr ohne Assistenz erledigt werden können.

Mit dieser Situation zurechtzukommen, wieder in das Leben zurückzufinden, erfordert eine Menge Kraft von allen Beteiligten. Denn was vorher selbstverständlich war, muss neu gelernt werden: Teilhabe. Deswegen halte ich den Schwerpunkt des diesjährigen Nachsorgekongresses für sehr wichtig. Denn er beschäftigt sich mit der Praxis, den Themen des Alltags: Wie funktioniert das Zurückfinden in den Arbeitsalltag oder wie kann die häusliche Selbstständigkeit für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen gesichert werden? Er bezieht auch das Umfeld der Betroffenen ein, also Angehörige und Therapeuten.

Grundlage für vollständige Teilhabe sind jedoch die politischen Rahmenbedingungen. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet dazu, Teilhabe für alle Menschen mit Behinderung sicherzustellen. Wir müssen uns die Frage stellen, welchen Handlungsbedarf es knapp sechs Jahre nach Ratifizierung durch die Bundesrepublik gibt. Sicherlich befinden wir uns auf einem guten Weg, aber wie es immer so schön heißt: Es gibt noch Luft nach oben. Das System der Rehabilitation und Teilhabe beispielsweise soll sicherstellen, dass die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, zur Teilhabe am Arbeitsleben und zum Leben in der Gemeinschaft möglichst abgestimmt aufeinander erfolgen, als Ganzes. Dies kann jedoch nur gewährleistet werden, wenn Zuständigkeiten zwischen den Leistungsträgern geklärt sind, eine Kooperation stattfindet und die einzelnen Maßnahmen verzahnt werden. Um die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung weiter zu verbessern, ist es zudem wichtig, sie nicht weiter zu stigmatisieren: Leistungen der Eingliederungshilfe gehören nicht in die Sozialhilfe, denn Behinderung und Sozialhilfe haben nichts miteinander zu tun. Teilhabeleistungen müssen im SGB IX verankert werden.

Darüber hinaus ist es ganz zentral, für Barrierefreiheit zu sorgen, im öffentlichen Raum durch sinnvolle Stadtplanung. Im politischen Raum durch den barrierefreien Zugang zu Informationen. Das sind Themen, die vielleicht in den ersten Monaten nach einer Schädelhirnverletzung keine vordergründige Rolle spielen, aber später zunehmend an Bedeutung gewinnen. Vor allen Dingen aber müssen die Barrieren in den Köpfen beseitigt werden: Menschen mit Behinderung sind keine Belastung, sie sind nicht ausschließlich über ihre Behinderung zu definieren. Sie gehören in die Gesellschaft, und das gemeinsame Zusammenleben, in der jeder Mensch mit seinen Fähigkeiten und Voraussetzungen akzeptiert wird, das ist die inklusive Gesellschaft, die wir anstreben sollten.

Ich danke der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung und den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft "Teilhabe, Rehabilitation, Nachsorge und Integration nach Schädelhirnverletzung" für Ihr langjähriges Engagement für unsere gemeinsame Sache. Uns allen wünsche ich einen guten, fruchtbaren Kongress.

Verena Bentele
Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen



Gemeinsam mit den Teilnehmern des 11. Nachsorgekongresses erarbeitete die AG Teilhabe Wahlprüfsteine zur Situation von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (MeH)

Karl-Josef Laumann,
Staatssekretär
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigten für Pflege
Schirmherr des
11. Nachsorgekongresses

Hermann Gröhe,
Bundesminister für
Gesundheit

Andrea Nahles,
Bundesministerin für
Arbeit und Soziales
Schirmherrin des 10. Nachsorgekongresses

Verena Bentele,
Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,
Schirmherrin des 9. Nachsorgekongresses

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz,
Schirmherrin des 8. Nachsorgekongresses

Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales,
Schirmherrin des 7. Nachsorgekongresses

Daniel Bahr,
Bundesminister für Gesundheit,
Schirmherr des
6. Nachsorgekongresses

Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,
Schirmherr des 5. Nachsorgekongresses

Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales,
Schirmherrin des 4. Nachsorgekongresses


Karin Evers-Meyer, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Schirmherrin des 3. Nachsorgekongresses



Helga Kühn-Mengel, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten

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